Was Brustkrebs und Corona gemeinsam haben…

Was Brustkrebs und Corona gemeinsam haben…

Juli 15, 2020 1 Von Tina Achtermeier

Die letzten Wochen haben mich wieder einmal emotional ganz schön durchgewirbelt. Wie damals, als mir gesagt wurde, dass ich an Brustkrebs leide. Diesmal bin ich jedoch nicht alleine mit meinen Emotionen und Gedanken, sondern die ganze Welt ist in der gleichen gefühlstechnischen Achterbahn, in der auch ich sitze. Ich spreche hier von der Corona Pandemie.

Die ganze Welt hat es nun mehr oder weniger plötzlich mit einer Krankheit zu tun, die wir nicht kennen. Die wir noch nie auf dem Schirm hatten. Wir können gar nicht einschätzen was es denn mit dieser Krankheit so auf sich hat, und kontrollieren können wir sie bis jetzt nur bedingt. Dabei hatten wir uns alle doch so sehr auf das Jahr 2020 gefreut. Jeder von uns hatte Pläne, Wünsche und Hoffnungen.

Dieser Umstand erinnert mich an die erste Zeit nach der Diagnose „Brustkrebs mit Lebermetastasen“. Ich war erst einmal völlig überrascht und wie gelähmt – da ich nichts geahnt habe. Plötzlich war ich mit einer Krankheit konfrontiert, von der ich nicht wirklich etwas wusste (und wenn dann nur die Schreckensbilder, die wir ständig erzählt bekommen) und die ich ersten Auffassungen zufolge nur bedingt kontrollieren konnte. Ich hatte doch so viele Pläne, Wünsche und Hoffnungen. Meine Zukunft war ungewiss und die Informationen die ich bekommen habe waren oft sehr widersprüchlich.

Genau wie jetzt in der Coronapandemie. Die Zukunft ist für jeden für uns Ungewiss. Keiner kann mir sagen wie die Welt morgen aussehen wird. Es werden zwar Pläne und Maßnahmen gemacht – diese werden aber immer wieder umgeworfen, erweitert, gelockert oder oder oder…. Es fühlt sich wie ein Chaos an. Wenn ich mit Freunden oder Bekannten über das Thema spreche gibt es oft nur einen Wunsch: zurück zur Normalität. Zurück in unser altes Leben – so wie wir es kennen und lieb gewonnen haben.

Und hier sehe ich wieder eine Parallele zum Umgang mit der Diagnose Brustkrebs. Mein erster Impuls war: Ich muss da jetzt schnell durch, damit ich mein gewohntes Leben wieder haben kann. Ich konnte und wollte nicht loslassen. Heute weiß ich natürlich, dass diese Haltung zwar total normal, aber – entschuldigung – völliger Blödsinn war. Denn nur durch das Akzeptieren der Situation wie sie nun mal ist und dem loslassen des Alten hatte ich die Chance auf mein neues Leben. Und ich liebe mein neues Leben. Es ist so viel besser als mein Leben vor Brustkrebs. Auf jeder Ebene. Und wer mich kennt der weiß, dass das nicht einfach so daher gesagt ist – sondern wirklich wahr.

Und auch hier möchte ich eine Parallele zur Corona Situation wagen. Genau jetzt haben wir alle die Chance einmal innezuhalten und zu schauen: Was brauchen wir wirklich? Jeder für sich persönlich – aber auch wir als Gesellschaft. Was hat uns gut getan in unserem Leben vor Corona und bei welchen Dinge und welchen Personen, sind wir vielleicht auch ganz froh, dass wir Corona-bedingt etwas Abstand gewinnen? Ich sage nur Supermarktkasse 😉 Also ich genieße dort sogar, dass mir jetzt keiner mehr zu nahe kommt. Oder was ist mit dem Händeschütteln? Das möchte ich gar nicht mehr wieder einführen – also wenn Du mich einmal triffst, weißt Du jetzt Bescheid 😉 Welche Neuerungen oder Prozesse finden wir vielleicht insgeheim gar nicht so schlimm – oder sehen sogar Vorteile darin? Ich denke hier an die Möglichkeit in Zukunft mehr Homeoffice zu machen und so vielleicht eine bessere Work- Life – Balance zu haben? Oder wäre es nicht super gewesen die Zeit zu nutzen und unser Schulsystem zu reformieren? Du siehst, wir haben jetzt die Chance auf ein neues Leben – alle zusammen. Ob wir wollen oder nicht. Unser Leben wird sich ändern. Wir können nicht kontrollieren wie sich die Umstände hier verändern -wir müssen auch nicht mit allem einverstanden sein. Das bin auch ich definitiv nicht – aber das gehört nicht hierhin. Worüber wir aber sehr wohl volle Kontrolle haben, ist unsere Einstellung zu unserer ganz persönlichen Situation und was wir daraus machen.


Mir hat damals unter anderem die Akzeptanz geholfen, mit dem Brustkrebs umzugehen. Heute merke ich auch, je mehr ich die Situation akzeptiere wie sie ist, dass es mir sehr gut tut – und mich wieder handlungsfähig für meine Zukunft macht.

Alles Liebe

Tina

Erstmal Durchatmen