Hab ich den richtigen Arzt?

Hab ich den richtigen Arzt?

August 31, 2020 0 Von Tina Achtermeier

Die Wahl des richtigen Arztes oder der richtigen Klinik ist oft entscheidend für den weiteren Verlauf einer Erkrankung. Gerade bei Brustkrebs ist das von größter Bedeutung sagt man ja immer. Ist das wirklich so? Das ist meine Erfahrung:

Es war ganz am Anfang meiner Reise. Mein Frauenarzt hatte gerade erst „verdächtige Herde“ in meiner Brust entdeckt – und mich dann natürlich an ein Brustzentrum überwiesen. Voller Angst bin ich dann in diesem Brustzentrum angekommen, welches eine sehr beruhigende und angenehme – ja sogar eine richtig schicke Atmosphäre hat. Ich entspannte mich dann ein wenig und habe dann mutig die ganzen Untersuchungen gemacht. Die Gespräche mit den Ärzten waren dann aber leider nicht mehr so angenehm. Ich hatte das Gefühl, dass mir die ganze Zeit nur Angst gemacht wurde. Auf meine doch sehr umfangreichen Fragen wurde nur unvollständig und teilweise sehr genervt geantwortet. Ich hatte viele Termine beim anfänglichen Staging – und bei jedem Gespräch hatte ich einen anderen Arzt. Ich konnte leider keinerlei vertrauensvolle Beziehung aufbauen. Das verunsicherte mich stark. Dadurch entwickelten sich immer mehr Fragen – die mir dann teilweise sogar widersprüchlich beantwortet wurden.

Der „individuelle“ Plan für mich

Den Ärzten war es dann sehr wichtig, dass ich schnell eine Chemotherapie mache, danach sollte ich operiert werden, dann noch eine Bestrahlung erhalten und schließlich Antikörper bekommen. Ach ja – und eine lebenslange Anti Hormon Therapie. Meine Lebenserwartung wurde auf nicht sehr hoch eingeschätzt, da da ja noch ein verdächtiger Herd in meiner Leber entdeckt wurde. Auf meine Frage, ob das einen Unterschied in der Behandlung bedeuten würde, ob das eine Metastase sei oder nicht – wurde mir das verneint. Auf mein Bitten – diesen Herd abzuklären, habe ich nur wieder einmal Angst und Schrecken geerntet. Dieser Herd sei nicht biopsierbar. Ich würde sehr wahrscheinlich auf dem Tisch verbluten. Das würde er nicht wollen. Leider Gottes waren das die Orginalworte des Arztes. Ich hatte furchtbare Angst. Und das Gefühl in mir wuchs, dass das unmöglich der richtige Weg für mich sein kann.

Ein anderer Arzt musste her

Ich habe mich Gott sei Dank auf mein Bauchgefühl verlassen und bin in das andere Brustzentrum in meiner Stadt gegangen. Es war zwar bei weitem nicht so schick (sorry!) – halt eine typische „Lehranstalt“ aus den 70igern – aber dafür war die Atmosphäre für mich auf menschlicher Ebene weitaus angenehmer. Ich bin dort an einen Arzt geraten, der MICH gesehen hat. Ich hatte das Gefühl er wollte mir wirklich helfen. Er hat sich alle Zeit der Welt genommen um alle meine Fragen zu beantworten – und glaube mir, es waren sehr, sehr viele. Dafür heute noch meinen größten Respekt. Er bestand zudem darauf, meine Leber zu checken ob es wirklich eine Metastase sei – Achtung Spoiler: ja, war es! – denn dieses Wissen hätte Auswirkungen auf die Behandlung, die er empfehlen würde. Eine Chemotherapie hätte für mich keinen Vorteil sagte er schließlich, da es zu 100% hormonell ist. Er schlägt mir (natürlich nach der Tumorkonferenz) eine Anti Hormon Therapie vor – und ein engmaschiges Kontrollieren, wie sich die Tumore entwickeln.

Dieser Arzt holte dann noch eine Kollegin an Bord – und diese beiden sind nun seit dem an mein Team in dieser Klinik. Die Gespräche die wir führen sind total auf Augenhöhe. Wenn ich etwas nicht verstehe – dann wird es mir erklärt. Wenn ich eine Idee habe, wird diese diskutiert und nicht einfach weggewischt. Ich habe oft schon die Worte: „Ich verstehe was Sie meinen….“ gehört. Erst letzte Woche wieder als wir über die Angleichungsoperation gesprochen haben, haben sich beide geduldig meine Wünsche angehört und mir Empfehlungen, die aus ihrer Sicht Sinn machen, gegeben. Ich bin mir sicher – letztendlich finden wir eine gemeinsame Lösung. Zur Zeit bin ich in einem halbjährlichen Untersuchungsturnus. Ab und an habe ich allerdings Fragen – diese kann ich dann unkompliziert per Mail los werden – und bekomme sie auch beantwortet – oder werde zu ihm in die Sprechstunde eingeladen, wenn wir darüber reden sollten. Das passt wunderbar zu mir und ich fühle mich individuell betreut.

Was mir wichtig ist

Das Wichtigste ist aber, dass mein Arzt und ich sich als Team sehen. Wir gehen den Weg gemeinsam. Er macht Vorschläge und überlässt es mir, ob ich diese annehme oder nicht. Da ist kein Ego, wenn ich einen Vorschlag tatsächlich ablehne – und meinen eigene Idee vorschlage und diese dann auch durchziehe. Wenn Du schon den ein oder anderen Artikel in diesem Blog gelesen hast, wird Dir nicht entgangen sein, dass ich einen besonderen Fokus auf die Naturmedizin, Ernährung und Sport lege. Er nimmt meine Einstellung dahingehend ernst – auch wenn er diese hier und da sympathisch belächelt. Seit etwa zwei Jahren schreibt er sich sogar jedes Mal auf, was ich denn da so mache. Das gibt mir ein gutes Gefühl, dass er mir vertraut. So kann ich es durchaus aushalten, wenn er und mein Mann sich jedes Mal bekreuzigen, wenn wir über meinen Weihrauchkonsum reden. (Ein ausführlicher Artikel, warum Weihrauch so gut für mich ist folgt natürlich :-))

Fazit

Eigentlich ist das ganz einfach für mich! Hätte ich gemacht, was die erste Klinik für mich wollte, dann hätte ich sehr wahrscheinlich deren Prognose entsprochen und wäre heute nicht mehr am Leben.

Durch die für mich richtige Arztwahl lebe ich noch und erfreue mich bester Gesundheit!

Der Spruch: der Arztwahl entscheidet über Dein Leben stimmt bei mir zu 100%

Ich finde jede Frau sollte in der Situation Brustkrebs so einen tollen Arzt an der Seite haben.

Ich habe mal eine kleine Checkliste für Arztgespräche entwickelt – die ich Dir zum Downloaden angehängt habe. Vielleicht hilft diese Dir ja beim nächsten Arztgespräch 🙂 Gib mir bitte auf jeden Fall Bescheid.

Alles Liebe

Tina

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