Wieder in die Kraft kommen durch Entspannung

Wieder in die Kraft kommen durch Entspannung

Mai 17, 2020 2 Von Tina Achtermeier

Teil 1

Die Diagnose Brustkrebs hat zunächst mein ganzes Leben auf den Kopf gestellt. Auf einmal war nichts mehr wie es einmal war. Ich hatte Gefühle von Angst, Traurigkeit, Wut und Verzweiflung auf der einen Seite – auf der anderen Seite hatte ich jedoch immer tief in mir das Gefühl: Alles wird gut! Das war sehr verwirrend. Zudem wollte ich für mein Umfeld stark sein und mir am Anfang so wenig wie möglich anmerken lassen. Ich hätte es nicht ertragen können, wenn jemand um mich weint – schon gar nicht mein unglaublich toller Mann oder meine lieben Kinder, die zu diesem Zeitpunkt ja noch recht klein waren. Um in dieser extremen Situation nicht den Boden unter den Füßen zu verlieren, war es wichtig, dass ich immer wieder bewusst versuchte zu entspannen, um Körper und Geist auszuruhen. Hierbei ist die Auswahl bekanntermaßen sehr groß und es ist für jeden was dabei.

Hypnotherapie

Durch einen Geschäftspartner meines Mannes bin ich als aller erstes an eine wunderbare Hypnotherapeutin geraten, die mich in der ersten Zeit regelmäßig behandelt hat. Dort habe ich zuerst langsam gelernt mit Hilfe von geleiteten Traumreisen zu entspannen. Das fiel mir am Anfang recht schwer – war Entspannung doch bis dato kein nennenswerter Teil meines Lebens. In einem zweiten Schritt konnte ich mit Hilfe der Hypnotherapie aktiv auf den Brustkrebs einwirken. Hypnose kann dazu beitragen, die emotionalen Folgen der Krankheit und in einigen Fällen sogar die Krankheit selbst zu verringern. Laut führenden Psychoonkologen kann unsere Selbstheilungsfähigkeit Krebs heilen. Gedanken und Gefühle haben daher einen entscheidenden Einfluss auf die Gesundung. Laut Simonton, der selbst als Onkologe tätig war, ist das Vertrauen in die Selbstheilungskräfte von Seele und Körper einer der wichtigsten psychologischen Faktoren bei der Behandlung von Krebs. [1] Um dieses Mindset zu installieren und zu stären ist die Hypnose ideal – da sie tief im Unterbewusstsein wirkt.

Yoga

Yoga ist wohl so ziemlich die beste Art sich zu entspannten – das höre und lese ich überall. Yoga stärkt nicht nur die Muskeln und das Nervensystem, es verringert auch Ängste und Depressionen, der Spiegel des Stresshormons Cortisol sinkt deutlich. Das ist inzwischen erwiesen. Yoga ist eine ganzheitliche Wissenschaft. Die Übungen wirken gleichzeitig äußerlich wie innerlich. Sie haben positive Effekte für Körper, Sinne, Organe, Nervensystem, Zellen, Bewusstsein, Geist und Seele – soweit so gut – und ich habe es wirklich probiert. Oft! Irgendwie habe ich nie den Zugang gefunden – bis heute NOCH nicht. Aber ich gebe nicht auf – vielleicht werde ich ja eines Tages noch zum Yogi…. stattdessen habe ich meine ganz persönliche Art der körperlichen Entspannung gefunden:

Ballett

Ja richtig! Ballett!! Als Kind habe ich super gerne Ballett getanzt – irgendwann war ich zu cool dafür und pubertierte fröhlich vor mich hin. Die Liebe zum Ballett ist nie verschwunden. Ich habe meinen Mann mehr als einmal gezwungen sich mit mir ein Ballett im Theater anzuschauen. ER hat immer tapfer durchgehalten 😉 Meine große Tochter ist eine talentierte (Freizeit-)Ballerina – mein Glück…so kam ich bei jedem ihrer Auftritte ins Schwärmen.

Ich fragte mich also, welche sanfte Sportart (als Ausgleich zum Laufen), die mich entspannen könnte, macht mich zu 100% glücklich – die Antwort kam sofort: Tanzen! Also schrieb ich mich im örtlichen Ballettstudio ein und tanzte jede Woche Mittwoch Abends Ballett – sah das am Anfang noch aus wie eine tollpatschige kleine Robbe – egal! Ich fühlte mich glücklich. Und darum geht es doch, oder? Ballett entspannte mich total. Ich konnte alles um mich herum vergessen und nur fühlen. Die Musik, meinen Körper und die stetig besser werdenen Bewegungen. Irgendwann war ich nicht mehr die kleine tollpatschige Robbe 😉

Es gibt noch so viele wunderbare Arten der Entspannung, über die ich hier immer mal wieder schreiben werde. Diese zwei sind für mich auf jeden Fall die Wichtigsten gewesen. Egal wie Du Dich entspannst – wichtig ist, dass Du es regelmäßig machst. So oft es geht – am Besten sogar jeden Tag.

Alles Liebe

Tina

[1] Simonton 1981: Es wurden 71 Frauen mit fortgeschrittenem Brustkrebs untersucht. Diese erhielten nun zusätzlich zur schulmedizinischen Behandlung psychotherapeutische Sitzungen. Die mittlere Überlebenszeit mit Psychotherapie betrug 38,5 Monate – ohne Psychotherapie nur 18,0 Monate.