Raus aus der Opferrolle – Step by Step in die Heilung

Raus aus der Opferrolle – Step by Step in die Heilung

August 13, 2020 1 Von Tina Achtermeier

Deine Haltung zur Brustkrebserkrankung bestimmt zu einem großen Teil den Verlauf. Die eigene Haltung kann sogar zu einer Gesundung führen, die Ärzte für so nicht möglich halten. So war es auf jeden Fall bei mir. Einfach so raus aus der Opferrolle? Leicht gesagt, oder? Aber wie soll ich das machen? Hier sind meine 6 Schritte um schnell aus der Opferrolle raus zu kommen und aktiv die eigene Heilung voranzutreiben:

Schritt 1: Du musst die Situation akzeptieren wie sie nun mal ist.

Es hilft alles nichts – und es ist wie es ist. Die Diagnose ist nun mal da. Du hältst sie in Händen. Daran lässt sich nicht rütteln. Woran Du aber rütteln kannst, ist, wie du damit umgehst.

Krise oder in diesem Fall Krankheit als Chance. Das hast du bestimmt schon gehört. Und so abgedroschen es auch klingt: es ist die Wahrheit.

Vielleicht fühlt sich deine Situation etwas so an, als würdest du auf halber Strecke auf einer wackeligen Hängebrücke mit tausend Meter Abgrund unter dir stehen (so habe ich mich gefühlt) – und nur die Akzeptanz, dass Du hier auf dieser Hängebrücke stehst, kann dich bewusst die Entscheidung treffen lassen: ich will nicht länger auf dieser Hängebrücke stehen. Ich sehe zu, dass ich hier runter komme und laufe voran.

Schritt 2: Werde dir zunächst erst einmal darüber bewusst, dass Du gerade in der Opferhaltung steckst.

Eine Opferhaltung erkennst Du, wenn Du dazu neigst die Verantwortung an andere abzugeben oder zu glauben, dass die anderen oder auch die Umstände schuld an deiner Situation sind. Hör mal in Dich rein was für Gedanken und Gefühle Du hast – und schreibe diese auf. Dieser Schritt ist für mich der aller Wichtigste und die Grundlage für die kommenden Schritte! Ich habe mich gerade am Anfang meiner Heilungsreise dabei ertappt, dass ich in diese Haltung geschlüpft bin. Leider fühlte ich mich dadurch klein und machtlos. Das wollte ich auf gar keinen Fall. Was glaubst du?

  • Haben Opfer Kraft?
  • Sind Opfer aktiv?
  • Können Opfer ihr Leben selbst gestalten und haben ihre Zukunft fest im Blick?

Möchtest Du ein Opfer sein? Natürlich nicht! Dann bist Du bereit für Schritt drei.

Schritt 3: Entscheide Dich ab sofort kein Opfer mehr sein zu wollen.

Und so einfach wie das klingt ist es auch. Die Haltung zu ändern ist einfach nur eine Entscheidung. Du hast deine Zukunft nämlich selbst in der Hand. Nimm noch einmal deinen Zettel mit deinen Gedanken und Gefühlen aus Schritt eins auf und dann verabschiede Dich von diesen Gedanken und Gefühlen. Du kannst den Zettel beispielsweise zerreißen oder verbrennen. Sag Dir dabei: „Ab heute bin ich Schöpfer und kein Opfer“. Das ist ganz schön kraftvoll! Aber Achtung. Dieser Schritt hat einige Nebenwirkung:

  • Du kommst ins Tun.
  • Du gehst deine Heilung selbst an.
  • Du machst Dich schlau und suchst nach Lösungen.
  • Du holst dir Unterstützung.

Das alles gibt dir Kraft und Zuversicht den nächsten Schritt zu gehen.

Schritt 4: Mache dir bewusst, dass du nicht zwingend schuld bist, aber auf jeden Fall mit verantwortlich für Deine Situation.

Überlege einmal genau, wo Deine Verantwortung für diese Situation liegt. Und bitte sei hier ganz ehrlich zu Dir. Schreib es am Besten direkt auf. Dann wird es noch viel klarer. Das ist für mich tatsächlich ein ganz elementarer Schritt, auch wenn es sehr weh tut. Glaube mir – als ich erkannt habe, was ich mir die ganze Zeit selbst angetan habe – das war schon sehr schmerzhaft, aber auch irgendwie erleichternd. Denn jetzt wusste ich ja (für mich) wie ich dahin gekommen war, wo ich stand. Das wiederum hat mir enorm viel Kraft gegeben. Denn ab sofort war mir bewusst: Ich habe die Macht etwas zu ändern. Ich selbst kann zu meiner Heilung beitragen. Mit hat das Zitat „Wem Du die Schuld gibst, dem gibst Du die Macht!“ in dieser Phase sehr geholfen.

An dieser Stelle sei gesagt: Mir ist durchaus bewusst, dass unsere Gesellschaft ein Riesenproblem mit dem Wort SCHULD hat, da es im Laufe der Zeit negativ konnotiert wurde. Schade eigentlich, denn Ursprünglich bedeutet das Wort SCHULD – althochdeutsch sculd (Zahlungs)verpflichtung, Vergehen, Verdienst oder ganz allgemein URSACHE (8. Jh.)[1]

Vielleicht fällt es Dir mit diesem Hintergrundwissen nun einfacher mit dem Wort Schuld umzugehen. Du bist auf jeden Fall jetzt bereit für den nächsten Schritt.

Schritt 5: Informiere Dich und erarbeite eine Lösung, die zu Dir passt.

Solange wie du atmest, gibt es immer eine Option. Immer! Lass Dir von niemanden einreden, dass Du nichts mehr tun kannst. Es ist wichtig, dass Du Dich selber umfassend informierst (achte aber immer auf die Quellen!) Tausche Dich mit Menschen aus, die schon geheilt sind und ihr Wissen teilen (mit mir zum Beispiel 😉) und frage immer nach, wenn Du etwas nicht verstehst. Je mehr du weißt, desto besser. So machst Du es anderen schwer, Dir etwas vorzumachen.

Sei dabei jedoch immer offen für neue und möglicherweise überraschende Optionen. Ich hatte beispielsweise noch nie etwas vom CyberKnife  oder einer Sauerstoff-Ozon Therapie gehört – beides letztendlich Maßnahmen, die mich unter anderem gesund gemacht haben. Lass Dich inspirieren.

Falls Du in einer klassischen, schulmedizinischen Behandlung bist, suche nach Möglichkeiten, was du tun kannst, damit es dir gut oder besser geht. Wie Du diese Therapien unterstützen kannst. Vielleicht gibt es eine Möglichkeiten die chemischen Wirkstoffe natürlich zu verstärken? Kleiner Spoiler – die gibt es durchaus.

Schritt 6: Glaube an Dich!

Das hört sich schon wieder so einfach an. Ist es auch! Du hast schon so viel in Deinem Leben geschafft. Schreib doch einmal alle möglichen schwierigen Situationen auf, die du schon gemeistert hast. Das sind bestimmt ganz schön viele. Siehst Du? Du kannst das!

Das kriegst Du auch hin  – locker!

Probiere es einfach mal aus – und schreibe mir in den Kommentaren, wie es Dir dabei ergangen ist. Damit machst Du nicht nur mir eine Freude, sondern inspirierst alle anderen Leser und Leserinnen dieses Blogs. Vielen lieben Dank

Alles Liebe

Tina

Erstmal Durchatmen
https://tinaachtermeier.com

[1] https://www.dwds.de/wb/schuldig#etymwb-1